Der Ausbau erneuerbarer Großanlagen stellt Regionen vor doppelte Herausforderungen: Es braucht tragfähige Finanzierungsmodelle und gleichzeitig neue Wege, um Stromerzeugung, Verbrauch und gesellschaftliche Akzeptanz besser miteinander zu verbinden. Mit zunehmender fluktuierender Erzeugung aus Wind- und Solarenergie gewinnen regionale Nutzung und Flexibilität zusätzlich an Bedeutung.
Das von vier Konsortialpartnern aus Wirtschaft und Hochschulforschung ins Leben gerufene Projekt EBeRE entwickelt dafür erzeugungssynchrone Beteiligungsmodelle. Bürgerinnen und Bürger sowie regionale Akteure werden wirtschaftlich an erneuerbaren Anlagen beteiligt und erhalten zugleich Anreize, Strom stärker an der tatsächlichen Erzeugung auszurichten. Damit sollen nicht nur die Grundlagen für marktfähiges, regionales Energy Sharing geschaffen werden, sondern es wird auch gezielt an der Realisierung solcher Modelle gearbeitet. Auf diese Weise verbindet EBeRE Investition, Verbrauchssteuerung und regionale Wertschöpfung zu einem integrierten Ansatz für eine effiziente und breit getragene Energiewende vor Ort.
Ziele des Projekts
Konkret verfolgt EBeRE folgende Projektziele, die wissenschaftlich fundiert und im Rahmen von Pilot-Tarifen in der realen Stromversorgung erprobt werden:
- Investitionen in regionale Energieanlagen und Speicher ermöglichen
Für neu zu errichtende sowie bestehende Anlagen werden Beteiligungs- und Renditemodelle entwickelt, die langfristige Planungssicherheit und verlässliche Ertragsstrukturen bieten. So entstehen gesunde Finanzierungsgrundlagen für regionale Energieinfrastruktur und Speicherlösungen. - Akzeptanz und Unterstützung für neue Anlagen vor Ort stärken
Durch transparente Beteiligungsoptionen und erzeugungsnahe Stromtarife werden Bürgerinnen und Bürger wirtschaftlich eingebunden. Wer finanziell oder über den Strombezug teilhat, erlebt die Energiewende als konkreten Mehrwert – und stärkt damit Vertrauen, Identifikation und regionale Unterstützung. - Flexibilität für Stromverbrauch zur Erzeugungszeit belohnen:
Ein Teil der Rendite wird an die zeitliche Abstimmung von Stromverbrauch und Erzeugung gekoppelt. Wer Strom dann nutzt, wenn die Anlage produziert, profitiert wirtschaftlich – und trägt zugleich zur Systemstabilität und zur Reduzierung von Speicher- und Netzausbaubedarf bei. - Gemeinschaft durch marktgerechtes Energy Sharing fördern:
Untersucht wird, wie Erzeuger, Verbraucher und Versorger gemeinsam eine kollektiv erwirtschaftete Energierendite generieren können. So entsteht regionale Wertschöpfung, die individuelle Investitionen mit gesellschaftlichem Nutzen verbindet.
Pilot-Tarife zur praktischen Erprobung
EBeRE verfolgt das Ziel, seine Forschungsergebnisse rechtssicher und wirtschaftlich tragfähig in die Praxis zu überführen und damit den Grundstein für eine wirtschaftliche Folgenutzung zu legen. Dies erfolgt über neue Pilot-Tarife und Investitionsmodelle, die gemeinsam mit Versorgern und Stadtwerken in regionalen Vertriebsgebieten umgesetzt werden.
Die Tarifmodelle im Überblick
EBeRE Light
Ein Einstiegsmodell in Form eines dynamischen HT/NT-Tarifs (Hochtarif/Niedertarif), der an die Stromerzeugung einer regionalen Freiflächenanlage gekoppelt ist.
Produziert die Anlage über einem definierten Schwellenwert, sinkt der Preis pro Kilowattstunde. Haushalte profitieren somit direkt von hoher regionaler Erzeugung.
EBeRE Classic
Bürgerinnen und Bürger beteiligen sich finanziell am Bau einer Großanlage.
Die Rendite erfolgt über den Bezug der dem eigenen Anlagenanteil zugeordneten Strommenge. Nicht selbst genutzte Strommengen werden direktvermarktet. Reicht die erzeugte Strommenge nicht aus, greift der bestehende Stromtarif. Dadurch können auch Haushalte ohne eigene Dachfläche in eine Großanlage investieren und den Strom bilanziell wie aus einer eigenen PV-Anlage nutzen.
EBeRE Community
Dieses Modell erweitert EBeRE Classic um ein gemeinschaftliches Energy Sharing:
- Überschüsse werden vorrangig innerhalb der Gemeinschaft genutzt.
- Teilnehmende profitieren von verbilligtem Strombezug aus der Gruppe.
- Gleichzeitig entsteht eine gewisse Absicherung gegen starke Marktpreisschwankungen.
Damit adressiert das Community-Modell die Projektziele in ihrer Gesamtheit.
Es schafft die Grundlage für marktfähige Energiegemeinschaften und stärkt Haushalte sowie Kommunen gegenüber Versorgungs- und Preisunsicherheiten. Ein wichtiger Schritt in Deutschlands Energiezukunft.
Konsortium und assoziierte Partner
Das EBeRE-Konsortium vereint mit MINcom Smart Solutions GmbH, B.A.U.M. Consult GmbH, Hochschule München und Technische Universität Chemnitz Kompetenzen aus Wissenschaft und Wirtschaft in den Bereichen Digitalisierung, Geschäftsmodellentwicklung, Energiesystemanalyse, Akzeptanzforschung sowie Öffentlichkeitsarbeit und Transfer. Durch die Einbindung unserer assoziierten Partner wird die praxisnahe Implementierung und Erprobung unter realen Versorgungsbedingungen ermöglicht. So arbeiten wir beispielsweise zusammen mit der EBERwerk GmbH & Co. KG daran, im Landkreis Ebersberg Bürgerinnen und Bürgern einen EBeRE Pilot-Tarif anbieten zu können.
Förderung
EBeRE ist ein Forschungsvorhaben des Förderschwerpunkts „Energiewende und Gesellschaft", das von April 2025 bis März 2028 im 7. Energieforschungsprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördert wird. Das Projekt bietet hohe Skalierbarkeit und Replizierbarkeit und wird in den kommenden Jahren wertvolle Erkenntnisse liefern, die auf andere Regionen und Projekte übertragbar sind und damit einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten.
Begleitforschung BEWEGT
Begleitet wird EBeRE von "BEWEGT – Die Energiewende-Gesellschaft" vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI und dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Das Ziel von BEWEGT ist es, die Forschungsprojekte im Förderschwerpunkt "Energiewende und Gesellschaft" aus ganz Deutschland zu vernetzen, übergreifende wissenschaftliche Erkenntnisse zusammenzufassen, Handlungsempfehlungen abzuleiten und anschaulich aufbereitet zu veröffentlichen, um so die Sichtbarkeit und Wirkung der Forschung zu »Energiewende und Gesellschaft« in Politik, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft zu stärken.