Die EBeRE Tarif- und Beteiligungsmodelle

Kopplung von Erzeugung, wirtschaftlicher Beteiligung und flexiblem Verbrauch

Um das Leitprinzip von EBeRE – die Kopplung von Erzeugung, wirtschaftlicher Beteiligung und flexiblem Verbrauch – in die Praxis zu bringen, wurden drei Tarif-  und Beteiligungsmodelle entwickelt. Alle drei Modelle verknüpfen wirtschaftlichen Nutzen und systemdienliches Verhalten. Erzeugung, Verbrauch und Erlösstrukturen werden nicht mehr getrennt gedacht, sondern in einem integrierten, regional verankerten Ansatz zusammengeführt.

Die Tarif- und Beteiligungsmodelle werden jeweils durch einen Zusatzvertrag wirksam, der einfach zum bestehenden Stromliefervertrag abgeschlossen und durch die eigens entwickelte Abrechnungssoftware realisiert wird. Diese kann ohne tiefgreifende Systemeingriffe in die bestehende IT Landschaft integriert werde. Die Software übernimmt die Abbildung der erzeugungssynchronen Modelle, während die vorhandenen Kernsysteme davon nahezu unberührt die stark umsatzrelevanten Standardgeschäftsvorfälle bearbeiten.

Für die Praxis heißt das: Stadtwerke und Regionalversorger können innovative Tarife und Beteiligungsmodelle testen, ohne ihre Kern IT grundlegend umbauen und in ihre Abrechnungssysteme investieren zu müssen.

EBeRE Light: Dynamischer PV-Tarif für alle

Das Tarifmodell EBeRE Light bildet den niederschwelligen Einstieg und richtet sich an Haushalte ohne eigene Photovoltaikanlage. Kern ist ein dynamisches Hochtarif‑/Niedertarif‑System, das direkt an die Erzeugungsleistung einer regionalen PV‑Anlage gekoppelt ist. Damit der Tarif verlässlich angewendet werden kann, orientieren sich die Preisstufen an der aktuellen beziehungsweise zu erwartenden Solarstromerzeugung der Anlage. In Zeiten hoher Einspeisung – etwa bei viel Sonnenschein – sinkt der Arbeitspreis für die teilnehmenden Haushalte. Der zeitliche Vorlauf ermöglicht es, größere Lasten – etwa Waschmaschine, Wärmepumpe oder E‑Auto – gezielt in die günstigen Zeitfenster zu verschieben, manuell oder über ein Energiemanagementsystem. Haushalte profitieren unmittelbar von Zeiten hoher erneuerbarer Erzeugung, ohne selbst investieren zu müssen. Für den Versorger verbessert sich gleichzeitig die Planbarkeit der Reststrombeschaffung; Bedarf und lokale Einspeisung lassen sich besser aufeinander abstimmen, der Bedarf an teurer Ausgleichsenergie sinkt. Im Projekt setzt die EBERwerk GmbH & Co. KG, der regionale Energieversorger im Landkreis Ebersberg, dieses Modell aktuell als ersten konkreten Pilot‑Tarif um.



 Die App zum Tarif: Video-Tour anschauen

 

EBeRE Classic: Investment mit virtuellem Eigenverbrauch

Mit EBeRE Classic geht das Konzept einen Schritt weiter und integriert eine finanzielle Beteiligung. Bürgerinnen und Bürger investieren in eine PV‑Großanlage und erhalten im Gegenzug eine anteilige Strommenge, die ihrer Beteiligung entspricht. Die wirtschaftliche Rendite ergibt sich primär aus dem „virtuellen Eigenverbrauch" dieses Stroms: Die zugeordnete Energiemenge wird mit dem Strombezug des Haushalts verrechnet und senkt so die Energiekosten. Überschüssige, nicht genutzte Strommengen werden vermarktet, zusätzlicher Bedarf weiterhin über den bestehenden Tarif gedeckt. Zielgruppe sind Bürgerinnen und Bürger ohne eigene Photovoltaikanlage, Projektentwickler größerer PV‑Anlagen und Versorger mit Bürgerfokus. Haushalte ohne die Möglichkeit, selbst eine Anlage zu betreiben, profitieren finanziell von regionaler Erzeugung, ohne technische oder organisatorische Betreiberverantwortung übernehmen zu müssen. Für Projektierer und Versorger entsteht eine zusätzliche Refinanzierungssäule für PV‑Großanlagen; zugleich wird die Kundenbindung gestärkt, weil die Stromkundschaft direkt am Projekterfolg beteiligt ist.

EBeRE Community: Energy Sharing in der Energiegemeinschaft

Das Tarifmodell EBeRE Community überführt die Idee des Energy Sharing in eine Energiegemeinschaft. Nicht genutzte Erzeugungsmengen aus der gemeinschaftlichen Anlage werden vorrangig innerhalb der Gemeinschaft verteilt. Teilnehmende beziehen Strom aus der kollektiven Erzeugung zu vergünstigten Konditionen und sind dadurch weniger stark den kurzfristigen Preisspitzen an den Märkten ausgesetzt. Erst darüber hinaus greift der Reststrombezug aus dem allgemeinen Markt. Durch die Priorisierung des lokalen Verbrauchs wird ein Großteil der Energie dort genutzt, wo sie erzeugt wird. Das stärkt die regionale Wertschöpfung, reduziert Transportverluste und erhöht die Unabhängigkeit gegenüber externen Beschaffungsrisiken. Für Kommunen, Quartiersprojekte und engagierte Bürgerenergieinitiativen eröffnet dieses Modell die Möglichkeit, Energiegemeinschaften im bestehenden Rechts‑ und Marktumfeld praktisch zu realisieren.